Deutschland ist das letzte EU-Land, in dem noch auf Litfaßsäulen und Plakatwänden für Zigaretten und andere Tabakprodukte geworben werden darf. Das wird sich nach einem Beschluss des Bundeskabinetts ab 2020 ändern.

Ist das Werbeverbot sinnvoll?

Die Industrie und die Werbewirtschaft kritisieren naturgemäß das Werbeverbot scharf, doch es ist aus Sicht des Gesundheitsschutzes sinnvoll. Allerdings soll es auch für E-Zigaretten gelten: Das gilt nicht als sinnvoll. Diese sind weitaus weniger gefährlich als Tabakprodukte, Experten (sogar das britische Gesundheitsministerium) empfehlen sie sogar ausstiegswilligen Rauchern.

Möglicherweise ist die Bundesregierung also über ein eigentlich löbliches Ziel hinausgeschossen. Auch in Kinos gilt künftig das Tabak-Werbeverbot bei Filmen mit einer FSK unter 18 Jahre.

Könnte das Werbeverbot kleinen Händlern sogar nutzen?

Auf jeden Fall, denn in und an Fachgeschäften sowie weiteren Verkaufsstellen wie Tankstellen bleibt die Tabakwerbung ebenso wie die E-Zigaretten-Werbung weiter erlaubt. Das bedeutet, dass die kleinen Händler voraussichtlich profitieren.

Der Raucher oder Dampfer geht nicht mehr an einem überdimensionalen Plakat vorbei, sieht die Werbung und denkt sich: Hey, es ist Zeit für eine Schachtel Zigaretten, wo ist der nächste Automat? Er geht aber vielleicht an einem kleinen Tabak- oder Vape-Laden vorbei und denkt sich (angelockt durch die Werbung): Schauen wir doch mal rein, was es Neues gibt.

Warum läuft dann die Tabakindustrie Sturm?

Dass die Werbewirtschaft die Pläne heftig kritisiert, leuchtet uns sofort ein: Sie verdient an den riesigen Plakaten prächtig. Doch warum moniert die Tabakindustrie so sehr dieses Werbeverbot? Nun, die Konzerne, die in den letzten Jahren auch den Online-Vertrieb kräftig angekurbelt haben, müssen sich nun wieder umstellen. Kleine, spezialisierte Tabak- und Zeitschriftenläden könnten wieder aufblühen.

In anderen Staaten gibt es sie nach wie vor, in Deutschland sind sie fast ausgestorben. Die Konzerne müssen nun mit den kleinen Händlern wieder besser kooperieren. Die Umstellung eines Vertriebs- und Werbesystems ist lästig. Daher ist der laute Protest der Tabakkonzerne nachvollziehbar.

Könnte es mehr Dampfer geben?

E-Zigaretten sind wie erwähnt genauso betroffen, doch es könnten in der Tat noch etwas mehr Raucher auf Vaping umsteigen. Vor allem junge Leute, die bislang von der riesigen Tabakwerbung doch mehr oder weniger beeindruckt sind, finden E-Zigaretten eigentlich schicker. Wenn für beides nicht mehr geworben wird, gewinnt wahrscheinlich die E-Zigarette an Boden.

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  • (Beitragsbild: werbeverbot-tabakwaren-vape-ezigarette-wissen): © thomasbishara / Pixabay.com