Medikamente und Placebos haben gleichermaßen handfeste gesundheitliche Auswirkungen. Vermutet wurde das schon lange, jüngste Studien bestätigen diesen Verdacht. Offenbar sind die durch Placebos angestoßenen Selbstheilungskräfte noch viel stärker, als wir uns das bislang vorstellen konnten. 

Heilung mit Zuckerpille 

Kaum zu glauben, aber wahr: Eine Zuckerpille kann Schmerzen heilen. Homöopathie wirkt wirklich, allerdings psychosomatisch, wie ihre Kritiker schon immer vermuteten. Die Wirkungen sind echter, beobachtbarer körperlicher Natur. Durch manch eine gewöhnliche Handcreme heilen Ekzeme ab, wenn die Anwender daran glauben. Scheinoperationen lindern signifikant Schulterschmerzen. 

Den Placebo-Effekt untersucht man schon seit einem halben Jahrhundert wissenschaftlich. Inzwischen ist klar: Placebos heilen wirklich. Wenn die Patienten eine Wirkung erwarteten, passiert etwas mit ihrem Gehirn. Es schüttet zum Beispiel Endorphine gegen Schmerzen aus, auch wenn es sich um ein Scheinmedikament handelt. Experimentell nachgewiesen haben das in jüngerer Zeit unter anderem Neurologen an der Universität Essen. 

Ihr Forschungsansatz war insofern bemerkenswert, als dass sie nicht nur die schmerzstillende Wirkung von Placebos belegten, sondern auch die Wirkungslosigkeit echter Schmerzmittel, wenn den Patienten vor der Einnahme erklärt wurde, dass sie nur ein Placebo erhielten. 

Die Schmerzen ließen dann nicht nach. Placebos wiederum halfen sogar als vermeintliche Immunsuppressiva, die Abstoßungsreaktionen gegen ein transplantiertes Organ unterbinden sollen. Wenn Patienten hiergegen ein Placebo erhielten, half auch das. 

Placebo-Operationen 

Forscher der Universität Oxford untersuchten die Wirkung scheinbarer Operationen, darunter Eingriffe gegen eine Versteifung der Wirbelsäule, diverse endoskopische Verfahren und Laserbehandlungen bei Magengeschwüren. In immerhin der Hälfte aller Fälle fühlten sich die Patienten nach der Placebo-Operation, bei der ein Eingriff nur (bei echter Narkose und einigen Schnitten in die Haut) vorgetäuscht wurde, genauso gut wie nach einer echten OP. 

Bei Schulterpatienten nahmen die Oxforder Ärzte eine Einteilung in drei Gruppen vor. Eine Gruppe wurde tatsächlich, die zweite zum Schein und die dritte gar nicht operiert. Am Zustand der Schulter nach sechs und zwölf Monaten änderte die jeweilige Methode nichts. 

Lediglich die gar nicht Operierten fühlten noch etwas größere Schmerzen, doch das mussten sie auch, wenn man der Placebotheorie folgt: Sie konnten schließlich nicht davon überzeugt sein, dass man sie wirklich geheilt hatte. 

Fazit 

Die Selbstheilungskräfte unseres Körpers sind enorm stark. Auf die Pharmaindustrie werfen solche Forschungen indes ein unrühmliches Licht, denn viele Medikamente scheinen eher nutzlos zu sein.

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