Werkswohnungen, die Unternehmen für ihre Mitarbeiter bauen, sind wieder im Kommen. Damit lösen die Betriebe die beiden Probleme des Fachkräfte- und des Wohnungsmangels auf einen Streich.

Werkswohnungen: Tradition neu belebt

Werkswohnungen waren lange Zeit das Erfolgsmodell schlechthin für die Anwerbung von Mitarbeitern, in den 1960er bis 1980er Jahren boomte ihre Errichtung. Dann galten sie plötzlich als Auslaufmodell, denn sie brachten den Firmen nur wenig Ertrag.

Viele Mitarbeiter suchten sich zudem lieber auf eigene Faust eine Wohnung oder zogen gleich ins Eigenheim. Unternehmen wie RWE, die Deutsche Bahn, die Deutsche Post, Bayer, TUI, Thyssenkrupp, Siemens und Daimler verkauften daher diese Immobilien in den letzten 30 Jahren.

Inzwischen werden sie neu entdeckt, wie das Berliner Beratungsinstitut Regiokontext ermittelte. Demnach feiert die gute alte Werkswohnung ein Comeback, das allerdings eine frische Verpackung benötigte. Das Wort “Werkswohnung” ist den Berufstätigen ab etwa 45 noch bekannt, es wirkt altbacken. Daher heißen die Wohnungen heute “Konzepte zum Mitarbeiterwohnen”.

Wer baut heutzutage Werkswohnungen?

Werkswohnungen – bleiben wir ruhig beim bewährten Begriff – bauen besonders kommunale Unternehmen, die über eigene Flächen verfügen. Die Baulandkosten fallen weg, gute Fachkräfte lassen sich deutlich besser anwerben. Da die öffentlichen Arbeitgeber nicht so viel wie private Unternehmen zahlen können, locken sie die Experten mit Werkswohnungen.

Dass diese begehrt sind, liegt an der aktuellen Mietpreisexplosion. Die Werkswohnungen werden zu äußerst attraktiven Mieten angeboten, denn das Anwerben von Fachkräften ist den Firmen deutlich wichtiger als eine bedeutende Rendite bei ihren Wohnungen. Deren Quadratmeterpreise liegen je nach Region um einen bis vier Euro unter denen der Wohnungen am freien Markt. Die Unternehmen streben im Prinzip die schwarze Null an, einen Gewinn wollen sie oft gar nicht erzielen.

Geschichte der Werkswohnungen

Schon vor dem Boom nach 1960 waren Werkswohnungen ein probates Mittel der Unternehmen, ihre Arbeiter am eigenen Fabrikstandort anzusiedeln. Der Werkswohnungsbau begann in Deutschland mit der beginnenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Die Situation war mit der heutigen vergleichbar: Eine boomende Wirtschaft brauchte bei gleichzeitigem Wohnungsmangel Arbeiter, unter ihnen auch damals schon ausgewiesene Fachkräfte.

Diese Geschichte scheint sich im frühen 21. Jahrhundert zu wiederholen. Der einzige Unterschied ergibt sich durch den modernen Verkehr: Damals hatten Arbeiter keine Autos, um zu pendeln, heute wollen sie sehnlichst den Stau meiden. Beides macht aber gleichermaßen die Werkswohnungen attraktiv.

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