Dieselgate und kein Ende: Während BMW auf einen Freispruch bezüglich der Manipulationsvorwürfe an eigenen Abgasanlagen hofft und neue Vorwürfe gegen die VW-Tochter Audi laut werden, kämpft der Hauptverursacher des Skandals VW an vielen Fronten. Die US-Justiz hat dem Konzern für sein US-Geschäft den Aufpasser Larry Thompson an die Seite gestellt. Dieser konstatierte Mitte März 2019: Einen zweiten Skandal dieser Größenordnung würde der Volkswagenkonzern nicht überleben. 

Warnung vor weiteren Rechtsverstößen 

Thompson warnte in einem SPIEGEL-Interview das VW-Management vor weiteren Rechtsverstößen. Gleichzeitig mahnte er an, den Autogiganten so umzubauen, dass ein zweiter Skandal dieser Art gar nicht geschehen könne. Gleichzeitig bescheinigte Thompson dem Konzern durchaus Bewegung in der Sache. Allerdings läge noch viel harte Arbeit vor der Konzernleitung.

Die Aufarbeitung ist in vollem Gange. Installiert wurde unter anderem eine Hotline, auf der sich anonyme Hinweisgeber melden können. Diese müsse dauerhaft erhalten bleiben, so Thompson. Seinen ersten Zwischenbericht hatte der US-Aufseher, der aktuelle von Wolfsburg aus agiert, Ende August 2018 vorgestellt. Darin musste er zwei Verstöße gegen bereits erteilte Auflagen rügen.

Volkswagen-Rechtsvorstand Hiltrud Werner knickte reumütig ein und erklärte, bei allen Fortschritten gäbe es immer noch Schwächen. Daraufhin forderte Thompson Volkswagen auf, künftig sämtliche Informationen absolut zeitnah bereitzustellen. Zuvor hatten die VW-Manager offenkundig in Einzelfällen bestimmte Informationen zumindest zeitweise zurückgehalten. 

Welche Aufgabe hat Thompson konkret? 

Der ehemalige US-Staatssekretär schaut mit einem 60-köpfigen Team der VW-Geschäftsleitung über drei Jahre auf die Finger. Dabei geht es ausdrücklich um keine Einmischung in das operative oder strategische Geschäft, sondern allein um das Feststellen von legalen oder illegalen Aktivitäten. VW hatte mit der US-Justiz einen Milliardenvergleich abgeschlossen, um ruinöse Strafzahlungen zu vermeiden.

Die Aufsicht durch Thompson und sein Team gehört zu diesem Vergleichspaket dazu. Im September 2015 musste der Konzern zugeben, dass er in den USA verkaufte Dieselfahrzeuge manipuliert hatte, damit sie bei der Inspektion bessere Abgaswerte aufweisen. Eine Hauptaufgabe von Thompson besteht konkret darin, VW bei der Verfolgung von Hinweisen auf Verstöße zu überwachen. Diese Hinweise kommen vielfach und in bestimmten Bereichen nahezu ausschließlich anonym.

Es gilt, sie in angemessener Zeit zu überprüfen. Nach der Aussage von Hiltrud Werner gab es 2018 über 1.100 solcher Hinweise. In früheren Jahren waren es höchstens 80 bis 90 gewesen.

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  • (Beitragsbild: dieselskandal-auto): © InsaPictures / Pixabay.com